Warschau 2017

Berlin, den 31.08.2017

Für herausragendes Engagement

Die europäischen Tolerantia Awards 2017

Die europäischen Tolerantia Awards werden als Gemeinschaftspreis der Organisationen MANEO (Deutschland), SOS homophobie (Frankreich), Lambda-Warszawa und Kampania Przeciw Homofobii (Polen), The Rainbow Project (Nordirland) und Pink Cross (Schweiz) vergeben, in diesem Jahr am 20. Oktober in Warschau, Polen. Geehrte werden in diesem Jahr aus den fünf Ländern: Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz (Deutschland), Stéphane Corbin, Sänger und Komponist, und Océane Rosemarie, Sängerin, Komikerin und Schauspielerin (Frank-reich), Elżbieta Szczęsna, Gründerin und Ehrenvorsitzende der Vereinigung von Familien und Freunden von LSBT* „Akceptacja“ (Akzeptanz), Chris Hudson, Pfarrer der All Souls Non-Subscribing Presbyterian Church in Süd-Belfast (Nordirland) und Alan David Sangines, Aktivist in der Flüchtlingsarbeit (Schweiz).

Mit den seit 2006 jährlich vergebenen Toleranta Awards werden Personen, Einrichtungen und Gruppen für herausragendes Engagement geehrt. Ihr Engagement betont demokratische Prinzipien wie Gleichberechtigung, Solidarität, gesellschaftliche Vielfalt und Toleranz sowie Einsatz gegen Homophobie, Rassismus, gegen jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im eigenen Land, in Europa und darüber hinaus.

Die auszeichnenden Organisationen gehören der ‚European Alliance Against Homophobia (Berlin Alliance)‘ an, die von den Organisationan aus Deutschland, Frankreich und Polen 2005 in Berlin gegründet worden war und der sich 2014 ‚The Rainbow Project‘ aus Nordirland und 2016 ‚Pink Cross‘ aus der Schweiz angeschlossen haben. Gemeinsam engagieren sich die Organisationen gegen Diskriminierung und vorurteilsmotivierte Gewalt, beraten und unterstützen Opfer homophober und trans*phober Gewalt und setzte sich für gesellschaftliche Aufklärung und demokratische Grundwerte, im eigenen Land und Europa ein. Grundlage des Bündnisses ist die gemeinsam unterzeichnete „Tolerancja-Erklärung“.

 

Die Preisträger von 2017 sind:

 

Deutschland

Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz

Heiko Maas. © Foto: BMJV, Photothek / Thomas Köhler
Heiko Maas. © Foto: BMJV, Photothek / Thomas Köhler

Heiko Maas hat 2014 als erster deutscher Bundesjustizminister eine klare Sprache gefunden als er erklärte, der deutsche Staat habe mit dem erst vor zwanzig Jahren ersatzlos gestrichenen § 175 StGB „große Schuld auf sich geladen“ und ankündigte, die Opfer zu rehabilitieren, die nach diesem Unrechtsparagrafen in beiden deutschen Staaten auch nach 1945 noch verurteilt wurden. Er hatte 2014 Zeitzeugen zu sich eingeladen, um mit Betroffenen persönlich zu sprechen. Das Gespräch habe er als „bewegende und bedrückende Stunden deutscher Justizgeschichte“ erlebt. „Nur wegen ihrer Liebe zu Männern, wegen ihrer sexuellen Identität, wurden sie vom deutschen Staat verfolgt, bestraft und geächtet.“

Heiko Maas scheute sich nicht einzugestehen, dass auch ein Rechtsstaat im Unrecht sein kann: „Der Staat hat Schuld auf sich geladen, weil er so vielen Menschen das Leben erschwert hat. Der § 175 StGB war von Anfang an verfassungswidrig. Die alten Urteile sind Unrecht. Sie verletzen jeden Verurteilten zutiefst in seiner Menschenwürde. Diese Schandtaten des Rechtsstaats werden wir niemals wieder ganz beseitigen können, aber wir wollen die Opfer rehabilitieren. Die verurteilten homosexuellen Männer sollen nicht länger mit dem Makel der Verurteilung leben müssen,“ erklärte Heiko Maas und ergänzte: „Es ist einfach unfassbar, dass es bis 1994 gedauert hat, bis diese unsägliche Norm endlich komplett abgeschafft wurde.“  Heiko Maas stellte unumwunden klar: „Der § 175 hat Berufswege verstellt, Karrieren zerstört und Biografien vernichtet. Den wenigen Opfern, die heute noch leben, sollte endlich Gerechtigkeit widerfahren.“ Und als Minister hatte er begriffen, dass es nun darum gehen muss, „dass die Opfer noch zu Lebzeiten eine Rehabilitation erfahren“.

Wir würdigen die klare Haltung und die unmissverständlichen Worte des Bundesjustizministers Heiko Maas, unter dessen Regie der Gesetzentwurf „zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen“ in einer geänderten Form am 22. Juni 2017 verabschiedet worden ist. Dafür verleihen wir ihm unseren Tolerantia Award 2017.

Mit Heiko Maas würdigen wir gleichzeitig auch die vielen Menschen, die sich bereits zuvor unermüdlich für die Rehabilitierung der Verurteilten und eine entsprechende Wiedergutmachtung eingesetzt haben. Dank des Engagements der Bundesländer und unter der Federführung des Landes Berlin waren 2012 und 2015 Bundesratsinitiativen eingebracht worden. Zu ihnen gehörten unter anderem die Expertisen und das Rechtsgutachten von Hans-Joachim Mengel (2012) und das von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegebene Rechtsgutachten von Prof. Dr. Martin Burgi (2016), das die kollektive Rehabilitierung der Betroffenen durch ein Aufhebungsgesetz empfahl.

Die unveränderte Übernahme von nationalsozialistischem „Recht“ in das bundesdeutsche und zunächst auch DDR-Strafrecht hatte verheerende Folgen für homosexuelle Männer. Sie wurden am 8. Mai 1945 zwar vom Nationalsozialismus befreit, jedoch nicht von Verfolgung, Hetzjagden und Stigmatisierung in beiden neu gegründeten deutschen Staaten. In der DDR wurde die Strafbarkeit 1968 beseitigt, in der Bundesrepublik erst ab 1969 schrittweise entschärft bis zur Abschaffung 1994. Zwar hatte der Bundestag 2002 die Urteile aus der Zeit des Dritten Reiches aufgehoben und eine Wiedergutmachung beschlossen, die Verfolgung von Homosexuellen hielt jedoch auch nach 1945 an. Die Urteile gegen homosexuelle Männer in beiden Nachfolgestaaten blieben rechtskräftig. Bis zur ersatzlosen Streichung der §§175 und 175a StGB im Jahr 1994 wurden etwa 64.000 Männer nach diesen Paragrafen verurteilt, davon 50.000 allein bis 1969 – bei insgesamt etwa 100.000 Ermittlungsverfahren. Das Verheimlichen der sexuellen Orientierung und die Angst vor Entdeckung gehörten so weiterhin zum Alltag der Homosexuellen. Mit den Urteilen wurden nicht nur das Leben der Betroffenen und Familien zerstört, führten doch bereits die Ermittlungen vielfach zum sozialen Tod.

Die Bundesregierung hat die normalerweise dem Rechtsstaatsprinzip widersprechende Aufhebung rechtskräftiger Urteile damit begründet, dass „das strafrechtliche Verbot homosexueller Handlungen nach heutigem Verständnis in besonderem Maße grundrechtswidrig“ sei. Der Gesetzesentwurf wurde von allen Parteien begrüßt, trotz kritischer Stimmen. Alle im Bundestag vertretenen Parteien erkennen nunmehr die Verurteilungen als Unrecht an.

Mit dem Beschluss des Deutschen Bundestages vom 22. Juni 2017 werden die verurteilten homosexuellen Männer endlich rehabilitiert. Darüber hinaus sollen sie finanziell entschädigt werden: durch einen Pauschalbetrag von 3.000 Euro sowie weitere 1.500 Euro für jedes angefangene Jahr erlittener Freiheitsentziehung.

 

Die deutschen Tolerantia Awards gingen bisher an: Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages, Grüne, und Günter Dworek, Aktivist der Lesben und Schwulen Bewegung (2006); Die Gruppe “Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI)” von amnesty international (2007); Philipp Lahm, Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, und Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB) und Tanja Walther, Sportwissenschaftlerin, (2008); Hans-Wolfram Stein, Lehrer in Bremen (2009); Wieland Speck und Mabel Aschenneller, TEDDY-Produzenten (2010); Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (2011); Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin der Stadt Köln (2012); Maria Sabine Augstein, Rechtsanwältin (2013); Cornelius „Corny“ Littmann, Hamburger Entertainer, Unternehmer und ehemaliger Vereinspräsident des FC St. Pauli (2014); Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin a.D. (2015). Die drei evangelischen Landeskirchen Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz [EKBO], die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau [EKHN] und die Evangelische Kirche im Rheinland [EKiR] (2016)

Ansprechperson: Bastian Finke, Leiter von MANEO;

Mail: bastian.finke@maneo.de oder maneo@maneo.de / home: www.maneo.de

 

Frankreich

Stéphane Corbin und Océane Rosemarie

Dieses Jahr widmet SOS homophobie den Tolerantia Award zwei Personen widmen.

Stéphane Corbin. © Foto von Vanessa Buhrig
Stéphane Corbin. © Foto von Vanessa Buhrig

Stéphane Corbin ist ein französischer Sänger und Komponist. Seinen Geburtsmonat März beschreibt er als einen “süßen Geschmack der Melancholie des Winters und der Hoffnung, die der Frühling birgt”. Nach seiner Kindheit, die er “immer abseits von anderen” verbrachte, folgte dann die Musik. Nachdem er zwei eigene Alben herausbrachte (Optimiste im Jahr 2004 und 2011 dann Les murmures du temps (Sony)), stellte er sein Talent auch anderen Musikern zur Verfügung. Für Corbin ist es wichtig mit seiner Musik politische Statements zu setzen.

Im Jahr 2012 debattierte das französische Parlament den Gesetzesentwurf zur gleichgeschlechtlichen Ehe (Mariage pour tous). Daraufhin kam es in Frankreich zu diversen Protesten gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Um ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen, plante er das Konzert “Les Funambules” (Die Seiltänzer) mit über 400 Künstler*innen. Zusammen produzierten sie 42 Lieder in einem Doppelalbum, die bislang noch nicht veröffentlicht waren. In den einzelnen Songs geht es um homosexuelle Stereotypen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften und deren Familien. Zuhörer sollen dazu animiert werden, über noch immer existierende Homophobie nachzudenken. Stéphane Corbin ist davon überzeugt, dass Kunst die Welt entscheidend verändern und weniger homophob machen kann. 2017 und 2018 treten Les Funambules in Paris und anderen Städten auf und planen in der Zukunft weitere Projekte.

SOS homophobie möchte Corbin mit dem Preis ehren, da er mit seiner kreativen und musikalischen Arbeit ein Zeichen gegen LSBT*-Feindlichkeit setzt. Mit seiner Musik und seinen Shows zeigt er auf eindrucksvolle Weise die dramatischen Konsequenzen von Homophobie auf. Die Liedtexte motivieren Zuhörer zu mehr Toleranz gegenüber LSBT*. Wir unterstützen Stéphane Corbin bei seinem Kampf gegen Homophobie.

 

Océane Rosemarie ist eine französische Sängerin, Komikerin, Schauspielerin und Regisseurin. Nach den drei Alben die sie 2009 veröffentlichte, stand sie mit ihrer gut besuchten Comedy-Show “La lesbienne invisible” (Die unsichtbare Lesbe) vor Publikum. In den nächsten viereinhalb Jahren reiste sie durch Frankreich und verzauberte über 40.000 Besucher mit ihrer Show.

Océane Rosemarie
Océane Rosemarie

2011 traf sie auf die Produzentin Nolita Cinema und ihre Assistentin Cyprien Vial. Gemeinsam schrieben sie das Filmdrehbuch zu “Embrasse-Moi!” (Küss mich!), einer Liebeskomödie, die das Liebesleben Rosemaries thematisiert. Mit ihrem neuesten Soloprogramm “Chatons Violents” (Gewalttätiges Kätzchen) tritt sie seit bereits über drei Jahren auf. Sowohl ihre Shows als auch ihr Film handelt von Frauen, die andere Frauen lieben.

SOS homophobie möchte Océane Rosemarie ehren, da sie eine herausragende Künstlerin ist und die Liebe zwischen Frauen thematisiert. In ihrem Film “Embrasse-Moi!” stellt sie die Liebesbeziehung mit anderen Frauen als eine ganz normale Liebesbeziehung dar. So wehrt sie sich gegen die Filmindustrie, die die Liebe zwischen Frauen nur selten thematisiert.

Rosemarie widmet sich der Problematik der “unsichtbaren Lesbe” und kämpft für mehr Sichtbarkeit von lesbischen Frauen innerhalb der französischen Gesellschaft.

Die französischen Tolerantia Awards gingen bisher an: Dr. Louis-George Tin, LSBT*- und Antirassismus-Aktivist (2006), die Theaterproduktion „Place des mythos“ (2007), Bruno Solo, Schauspieler und Fernsehproduzent (2008), Paris Foot Gay, der schwule Fußball-Club in Paris (2009), Caroline Mécary, Anwältin und Bürgerrechtlerin (2010), Olivier Dussopt und Franck Riester, Abgeordneten der französischen Nationalversammlung (2011), Véronique Eledut, Lehrerin und Aktivistin (2012), Le Petit Journal, das von Yann Barthès moderierte Fernsehmagazin (2013), „www.projet17mai.com“, das Projektteam der Webseite, das Cartoons gegen Homophobie in Frankreich zeigt (2014), Irène Théry, Soziologin und Mitglied des ‘Haut Conseil de la Famille’ (2015), Amnesty International France (2016)

Ansprechpersonen: Michael Bouvard und Gilles Dehais

Mail: sos@sos-homophobie.org / home: www.sos-homophobie.org

 

Polen

Elżbieta Szczęsna

Elżbieta Szczęsna
Elżbieta Szczęsna

Sie ist eine pensionierte Chemielehrerin, die zu Beginn des Kriegsrechts (1981) in Polen gefeuert wurde. In dieser Zeit kooperierte sie mit einem Untergrundverlag als Übersetzerin für die deutschsprachige Presse.

Von 1989 bis 2007 arbeitete sie für den polnischen Senat – das polnische Oberhaus.

2007 rief sie eine Gruppe für Eltern von LSBT* ins Leben; 2013 war sie Mitbegründerin des Vereins „Akceptacja“ (Akzeptanz), die Vereinigung von Familien und Freunden von LSBT*. Bis 2017 war sie dessen Vorsitzende. Zurzeit ist sie Ehrenpräsidentin. Für ihr Engagement erhielt sie bereits einen Respektpreis.

Lambda Warszawa und die ‚Kampagne gegen Homophobie‘ (Kampania Przeciw Homofobii – KPH) haben sich gemeinsam dazu entschieden Elżbieta Szczęsna für ihren starken Einsatz für Menschenrechte im allgemeinen und für die Initiierung und Entwicklung der ersten Gruppe für Eltern von LSBT* in Polen im speziellen zu ehren.

Ihre persönliche Erfahrungen und ihr Engagement hat es hunderten von Eltern mit LBST* Kindern in ganz Polen ermöglicht, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.

Die Arbeit von Elżbieta Szczęsna hat dazu beigetragen, dass sich die erste nationale Vereinigung von Familien und Freunden von LSBT*, „Akceptacja“, gegründet hat, die heute eine zentrale Rolle in der Zivilgesellschaft Polens spielt.

Aufgrund ihres außergewöhnlichen Beitrages würdigen Lamda Warszawa und die ‚Kampagne gegen Homophobie‘ (Kampania Przeciw Homofobii – KPH) Elżbieta Szczęsna mit dem polnischen Tolerantia Award 2017.

 

Die polnischen Tolerantia Awards gingen bisher an: Kazimierz Kutz, Filmregisseur und Politiker (2006), Piotr Pacewicz, Journalist und Publizist (2007), Marzanna Pogorzelska, Lehrerin und Autorin (2008), Prof. Zbigniew Hołda, Richter und Bürgerrechtler, und Izabela Jaruga-Nowacka, Politikerin und Frauenrechtlerin (2010), Adam Bodnar, Jurist und Menschenrechtsaktivist, und Katarzyna Bojarska, Psychologin und Aktivistin (2012), Ewa Siedlecka, Journalistin (2013), Monika Płatek, Kriminologin und Feministin(2014); Ewa Wanat, Radio-Journalistin und Persönlichkeit im Fernsehen (2015), Ilona Łepkowska, Drehbuchautorin und Mitglied der polnischen Fernsehakademie und Präsidentin der Fernsehgesellschaft ‘Serial’ (2016)

Ansprechpersonen:

Lambda Warszawa (Lambda Warsaw):

Krzysztof Kliszczyński, Mail: kkliszczynski@lambdawarszawa.org;

Kampania Przeciw Homofobii (Campaign Against Homophobia): Chabar,

Mail: achaber@kph.org.pl

 

 

Nordirland

Chris Hudson

Chris Hudson
Chris Hudson

Chris Hudson ist Pfarrer der All Souls Non-Subscribing Presbyterian Church in Süd-Belfast. In den letzten 15 Jahren ist Chris Hudson durch seinen Mut und seiner Solidarität gegenüber LSBT* bekannt geworden. Er setzt sich dafür ein, dass die Sichtbarkeit von LSBT* und die Vielfalt in der Gesellschaft gefördert wird.

Religiöser Glauben und die Rechte von LSBT* sorgen für Spannungen innerhalb Nordirlands. Vor allem die Democratic Unionist Party (DUP) setzt auf die religiösen Ansichten der Wähler, um die Rechte von LSBT* innerhalb der nordirischen Gesellschaft zu limitieren. Die Einschränkungen gelten nicht nur Themen wie der gleichgeschlechtlichen Heirat, sondern auch dem Widerstand gegen Rechte und den Schutz, den LSBT* seit bereits über 30 Jahren genießen.

Daher ist der unermüdliche Einsatz von Chris Hudson eine Stütze und ein Zeichen der Hoffnung für LSBT*. Chris ist ein engagierter und mutiger Sprecher, der stets darauf verweist, dass LSBT* integraler Bestandteil unserer Gesamtgesellschaft sind. Mit seinem Mut hat er für LSBT* einen Platz in seiner Kirchengemeinde geschaffen, die mittlerweile zum Ort eines jährlichen Gedenkgottesdienstes anlässlich des Belfast Pride geworden wird.

Chris hat deutlich angesprochen, dass Homo- und Trans*phobie nicht Teil der christlichen Werteordnung sind. Mehrmals hat er öffentlich an die DUP appelliert, auf ihr Veto mit einer ‚Petition of Concern‘ gegen die gleichgeschlechtliche Ehe im Parlament zu verzichten. Er sagte: “Ich hoffe, dass wir bald wieder eine Gewaltenteilung zwischen Exekutive und Parlament haben, die funktioniert. Ich möchte hiermit an die Democratic Unionist Party appellieren, die ‚Power of Concern‘ nicht einzusetzen. Ich kenne viele Wähler der DUP, die die gleichgeschlechtliche Ehe unterstützen. Die DUP diskriminiert damit eigene Wähler… Sie sollte stattdessen eine Abstimmung ohne Fraktionszwang zulassen, mit der eine einfache Mehrheit im Parlament für eine entsprechende Gesetzesvorlage erzielt werden würde. ”

Das Rainbow Project nominiert Chris Hudson als Preisträger des Tolerantia Awards 2017 aufgrund seines Engagements und seiner Funktion als überzeugten Verbündeten für LSBT*-Rechte.

Die noririschen Tolerantia Awards gingen bisher an: Máirtín Ó Muilleoir, Mitglied der Nordirland-Versammlung (Parlament), SF, Bürgermeister der Stadt Belfast a.D. (2015), Marry Mc Aleese, Präsidentin der Republik Irland (1997-2011).

Kontaktperson: Gavin Boyd, Policy and Advocacy Manager

Mail: gavin@rainbow-project.org / home: www.rainbow-project.org

 

Schweiz

Alan David Sangines

Alan David Sangines
Alan David Sangines

Alan David Sangines, 30 Jahre alt, wurde in Bolivien geboren und ist dann in der Schweiz, Zürich, aufgewachsen. Nachdem seinem Jurastudium arbeitete er als gesetzlicher Vertreter für unbegleitete Minderjährige (Geflüchtete). Seit 2010 ist er Mitglied vom Stadtrat der Stadt Zürich. Zwei Jahre später übernahm er im Stadtrat die Position als Vizepräsidenten und ist für die Politik auf das ‚Zürich Pride Festival‘ verantwortlich.

Alan David Sangines widmet sich schon seit langer Zeit dem Kampf für LSBT* Rechte. Dabei setzt er sich besonders für die Rechte von Minderheiten innerhalb der LSBT* Communities ein. Mit Hilfe einer Menschenrechtsorganisation unterstütze er LSBT*-Geflüchtete in der Schweiz. Von 2012-2016 war er Vorsitzender der LSBT*-Vereinigung der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz und kämpfte dafür, dass LSBT*-relevante Themen und Forderungen Bestandteile des Parteiprogramms wurden. 2012 war er Vizepräsident des Zürich Pride im Jahr 2012 und politischer Verantwortungsträger des größten LSBT*-Events in der Schweiz. Sein Engagement hat dazu beigetragen, dass auf dem Zürich Pride wieder politische Botschaften in den Vordergrund rückten. Seit dem steht der jährliche Pride-Event wieder unter einem politischen Motto.

Alan David Sangines war schon immer ein furchtloser und kraftvoller Fürsprecher für die Rechte von LSBT* und für Minderheiten innerhalb der LSBT* Community. Er arbeitete über Parteigrenzen hinweg mit diversen Organisationen und Unternehmen zusammen, um die Gleichberechtigung für LSBT* in unterschiedlichen Belangen zu erreichen. Sobald politische Debatten über die Belange von LSBT* ausgelöst werden, ist er einer der ersten politisch engagierten Menschen, die von den Medien kontaktiert werden. Durch seine unverblümte Schreibweise in seinem Blog, der sich LSBT*-Themen widmet, wurden bereits zahlreiche öffentliche Diskussionen und Medienberichterstattungen ausgelöst. Er war bereits Teilnehmer diverser öffentlicher Debatten, gab Zeitungs-, Fernseh- und Radiointerviews und äußert sich in diesen Interviews klar zu seinem Kampf für die Gleichberechtigung von LSBT*.

In seinem Einsatz für (LSBT*) Geflüchtete klärte er Menschen sowohl innerhalb als auch außerhalb der LSBT* Communities über deren schwierige Situation auf, die häufig vergessen wird. In diesem Zusammenhang hatte er nie Angst davor, Problematiken wie Rassismus und die Diskriminierung von Geflüchteten, Ausländern und anderen Minderheiten innerhalb der LSBT* Community anzusprechen. Häufig waren hitzige Debatten und Gegenreaktionen die Folge, die er furchtlos zu überwinden bewies.

Daher möchten wir seine Entschlossenheit und seinen effektiven Kampf für die Gleichberechtigung von LSBT* ehren. Zusätzlich würdigen wir seinen Einsatz, Minderheiten innerhalb der LSBT* Community, wie beispielsweise Geflüchtete, in den Mittelpunkt zu setzen.

 

Die schweizer Tolerantia Awards gingen bisher an:: Florian Vock und Jazzmin Dian Moore, LSBT-Activisten (2016)

Ansprechperson: Bastian Baumann, Geschäftsführer;

Mail: bastian.baumann@pinkcross.ch

Home: www.pinkcross.ch